Nakba Tour 2015

9-tägige Rundreise durch die Vergangenheit Palästinas: 01.10.2015 - 09.10.2015

Als Nakba (grosse Katastrophe auf arabisch) bezeichnen die Palästinenser den Verlust ihrer Heimat im Krieg von Ende 1947 bis Anfang 1949  
gegen die zionistische Führung, welcher 1948 in der Gründung des modernen Staates Israel mündete. Über 750`000 Menschen wurden aus  
ihren Dörfern und Städten vertrieben und konnten seitdem nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren. Für Israel bedeutete die Nakba seitdem  
eine Erinnerung an dieses Verbrechen der Gründungsväter, weswegen man alles unternommen hat um diese Erinnerung aus dem kollektiven  
Gedächtnis zu löschen. Mehr noch, die israelische Regierung versucht die öffentlichen Gedenkfeiern zur Nakba gesetzlich zu verbieten    
(Stand Sept. 2014) und in der Schule wurde von Anfang an gelernt, dass es nie so etwas wie ein palästinensisches Volk und erst recht nicht  
als Mehrheit auf dem Gebiet des heutigen Israel gegeben hat. Dieser Logik entsprechend gab es auch nie irgendwelche Vertreibungen oder  
Zerstörungen. Und dennoch gibt es sie: hunderte von zerstörten Dörfern die eine andere Geschichte erzählen als die offizielle israelische Historie.  
                         
Mit unserer Reise durch Israel und Palästina wollen wir nicht nur die Erinnerung an die grosse Katastrophe aufrecht erhalten, sondern sie auch  
ein Schlüssel zum Verständnis weshalb es keinen Frieden zwischen Israel und Palästina geben kann ohne die Anerkennung der Nakba und dem  
Recht auf Rückkehr.                      
                         
Tag 1:                        
Abflug ab Zürich nach Tel Aviv zusammen mit einem unserer Betreuer der Palestine-X-Tours. Teilnehmer/innen welche selbst nach Israel reisen,  
werden entweder vom Flughafen (ab gleichen Tag) abgeholt oder müssen selbst nach Nazareth anreisen. Anschliessend Transfer zu unserem Hotel in
Nazareth wo wir das Abendessen zu uns nehmen und die lokalen Partner und Reiseleiter kennenlernen werden.      
                         
Tag 2:                        
Nach dem ersten Frühstück in Nazareth beginnen wir den Tag mit einem Meeting bei einer Organisation, die sich für die Rechte der palästinensischen
Minderheit in Israel einsetzt. Und da gibt es offensichtlich sehr viel zu tun wie der letzte Menschenrechtsindex des US-Aussenministeriums festgestellt
hatte. Die arabischen Bürger Israels "erleben institutionelle und gesellschaftliche Diskriminierung" heisst es in diesem Bericht. Wir werden von dieser
Organisation auch erfahren, wie sich die Palästinenser die nach der Gründung des Staates Israel innerhalb dessen neuen Grenzen verblieben  
organisieren und in welchen Landesteilen sie sich mit einem immer grösser werdenden Rassismus auseinandersetzen müssen.    
Nach dem Mittagessen treffen wir uns mit einer weiteren Organisation die sich für die Rechte der Vertriebenen Palästinenser von 1948 und 1967  
einsetzt, und werden mit dessen Vertreter einige zerstörte Dörfer rund um Nazareth besuchen und die Geschichte dieser Dörfer kennenlernen.  
Am Abend dann Rückkehr in unser Hotel.                  
                         
Tag 3:                        
Den heutigen Tag verbringen wir zusammen mit dem britischen Journalisten Jonathan Cook, der sich sehr für die Erinnerung an die Nakba,  
die Katastrophe von 1948 einsetzt. Jonathan wird uns zu einigen Dörfern im galiläischen Bergland rund um Nazareth und Tiberias begleiten,  
die während des Krieges von 1948 zerstört und dessen Bevölkerung vertrieben wurde. Wir werden von Jonathan auch erfahren, wie die    
israelische Regierung seitdem mit aller Macht versucht die Rückkehr dieser Menschen in ihre Dörfer per Gesetz zu verhindern, obwohl es  
dazu UN-Resolutionen gibt die genau das von Israel von Anfang an verlangt haben. Diese Vertreibung hat aber nicht mit dem Krieg vor 66  
Jahren aufgehört, sondern findet nach wie vor in einem schleichenden Prozess statt. Auch dazu werden wir von Jonathan mehr erfahren.  
Am späten Nachmittag werden wir uns von Jonathan Cook verabschieden und kehren zu unserem Hotel in Nazareth zurück.    
                         
Tag 4:                        
Nach dem Frühstück heisst es heute "Koffer packen", denn wir verlassen Nazareth und das landschaftlich sehr reizvolle Galiläa in Richtung  
Küste. Unser heutiges Ziel ist die grösste Metropole: Tel Aviv.                
In Tel Aviv treffen wir uns mit einer israelisch-palästinensischen Organisation, die sich für die Anerkennung der Nakba durch Israel einsetzt  
und Seminare, Ausstellungen und Führungen durchführt. Wir werden hören, wie koordiniert und geplant diese Vertreibungen von 1947 bis  
zum Waffenstillstand 1949 stattgefunden haben und nach der Theorie fahren wir zusammen mit einem Vertreter von Zochrot zu    
Felduntersuchungen heraus. Wir werden die Plätze und Dörfer besuchen, die für die zionistische Führung von elementarer Bedeutung    
für die Verbindung von Tel Aviv und Jerusalem waren. Die zerstörten Dörfer auf dieser Strecke sind noch heute stumme Zeugen dieser    
Vertreibungen.                      
Nach dieser äusserst interessanten Exkursion in die Vergangenheit verlassen wir wieder Tel Aviv und fahren weiter nach Jerusalem,    
wo wir in unser neues Hotel einchecken werden.                  
                         
Tag 5:                        
Den heutigen Tag beginnen wir mit dem Besuch der Altstadt von Jerusalem wo wir natürlich auch die zentralen Heiligtümer der drei    
grossen Weltreligionen besichtigen werden. Während sich Touristen voller Ehrfurcht diesen Heiligtümern nähern, werden wir nebst der    
Magie die ohne Zweifel von ihnen ausgeht aber auch erfahren, wie hier in diesem Mikrokosmos der gleiche Kampf ausgetragen wird wie    
im restlichen Palästina: es geht um nichts weniger als der Bewahrung von kulturellen Identitäten.          
Am Nachmittag fahren wir nach Silwan, dem palästinensischen Stadtteil von Ost-Jerusalem welcher direkt an die Altstadt angrenzt.    
Silwan ist in den letzten Jahren immer mehr unter Druck der israelischen Regierung geraten, weil man durch Zwangsräumungen, neuen  
Themenparks wie zum Beispiel der "City of David" und gezieltem Einsatz von jüdischen Siedlern die Haus um Haus einnehmen die der Staat  
schliesslich "beschützen" muss, den Wohnraum der Palästinenser einzuschränken versucht.          
Anschliessend fahren wir in den westlichen Teil der Stadt wo wir das "moderne" Jerusalem erkunden werden, bevor wir am Abend zu unserem  
letzten Hotel auf unserer Reise in Bethlehem gebracht werden.              
                         
Tag 6:                        
Am Vormittag besichtigen wir die "Greater Jerusalem Area", ein Begriff der von Israel nach der Eroberung von Ost-Jerusalem 1967 als Konzept  
zur Besiedelung der palästinensischen Stadtteile erfunden wurde. Sheikh Jarra ist so ein Stadtteil wo es 2010 zu massiven Protesten kam, als  
palästinensische Familien welche aus West-Jerusalem 1948 vertrieben wurden und in Sheikh Jarra danach angesiedelt wurden, durch    
israelische Behörden erneut vertrieben und durch jüdische Siedler umgehend ersetzt wurden. Wir werden einige dieser Dörfer und Plätze  
besuchen von wo diese Menschen aus Sheikh Jarra vertrieben wurden. Danach fahren wir weiter zur Siedlung Pisgat Ze`ev in Ost-Jerusalem,  
wo wir die Besiedlungspolitik Israels besprechen werden und direkt vor Ort auch wieder die israelische Separationsmauer sehen können,  
wie sie eben jene Siedlungen in Ost-Jerusalem, der designierten Hauptstadt von Palästina, umschliesst und sozusagen in israelisches Staatsgebiet  
integriert. Danach besuchen wir die Beduinenenklave Khan al-Ahmar wo wir uns selbst davon überzeugen können, unter welchen Umständen  
die Menschen dort leben und trotzdem weiteren Zerstörungen durch das israelische Militär ausgesetzt sind.        
Nach diesem ereignisreichen Tag kehren wir zurück in unser Hotel in Bethlehem.            
                         
                         
Tag 7:                        
Nach dem Frühstück beginnt der Tag mit einem Spaziergang durch die Altstadt von Bethlehem und Besuch der Geburtskirche von Jesus Christus.  
Danach führt uns der Weg ausserhalb von Bethlehem in die vorwiegend christliche Gemeinde Bait Sahour, wo wir die Hirtenwiese besichtigen  
werden wo laut Bibel die Hirten den Stern von Bethlehem gesehen haben.              
Ganz in der Nähe befindet sich das Aida-Flüchtlingslager, wo Flüchtlinge leben die 1948 aus der Umgebung von Jerusalem vertrieben wurden.  
Wir werden direkt von diesen Menschen hören wie sich diese Vertreibung zugetragen hat und wie sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben.  
Nach diesem interessanten Kontakt zu den Menschen im Aida-Flüchtlingslager werden wir ein bisschen die Gegend um Bethlehem erkunden  
und dabei erfahren, wie die israelische Regierung das palästinensische Land enteignet um sie zum Bau von neuen oder den Ausbau von  
bestehenden Siedlungen zu benutzen. Oder für das "organische Wachstum" der Siedlungen, wie es die israelische Regierung bezeichnet.  
Am späteren Nachmittag treffen wir uns mit Professor Mazin Qumsiyeh, einem palästinensischen Christen und Professor an der Universität  
von Bethlehem und Autor des Buches "Sharing the Land of Kanaan: Human Rights and the Israeli/Palestinian struggle".      
Prof. Qumsiyeh setzt sich auch für einen friedlichen, aber aktiven Widerstand gegen die israelische Besatzung ein und gibt Seminare, wo  
hauptsächlich die jüngere Generation der Palästinenser lernen soll wie man sich durch die Teilnahme am friedlichen Protest Gehör verschaffen  
kann. Auch wir werden mit Sicherheit viel von Prof. Qumsiyeh lernen und erfahren können, was dieses Treffen zu einem besonderen Anlass macht.  
Vollgepackt mit neuen Informationen freuen wir uns dann aber auch auf unser Abendessen im Hotel.        
                         
Tag 8:                        
Den letzten aktiven Tag verbringen wir in der Negev Wüste, die im arabischen Naqab heisst. Die Beduinen der Negev Wüste lebten seit    
Jahrhunderten als Semi-Nomaden im Negev, bevor sie 1948 ein schreckliches Schicksal ereilte und nahezu vollständig von ihrem Land    
vertrieben wurden. Erst im Laufe der letzten Jahrzehnte erholte sich die Gemeinschaft dank starker Geburtenraten wieder, doch sie    
sind seitdem wieder zum Ziel der israelischen Regierung geworden. Mit dem Begin-Prawer Plan von 2013 sollten Zehntausende Beduinen  
wieder von ihrem Land vertrieben werden und in künstliche Städte eingesammelt werden, wo sie sich laut Regierung "assimilieren" sollten.  
Und das obwohl die Beduinen heute etwa 30% der Bevölkerung des Negev ausmachen, aber nur auf 2% des Gebietes leben.    
Wir werden Al-Araqeb besuchen, ein kleines Dörfchen im Negev welches in den letzten Jahren über 65 Hauszerstörungsoperationen    
erdulden musste, mit dem Ziel sie aus Al-Araqeb zu vertreiben. Danach fahren wir in eine solche künstliche Community wo wir uns selbst  
ein Bild davon machen können, ob diese Zwangsassimilierung funktioniert oder nicht.            
Bevor wir uns auf den Rückweg nach Bethlehem machen, werden wir uns unterwegs noch einige Beduinenplätze anschauen die    
im Laufe der Jahre aufgegeben wurden.                  
                         
Tag 9:                        
Transfer zum Flughafen Tel Aviv und Rückflug nach Zürich.                


Mindestteilnehmerzahl liegt bei 11 Personen, max. 15 Personen. Anmeldungen sind bis 30.06.2015 möglich.

Preise ab CHF 2160.-- oder € 1780.--

Wer sind wir

WIR sind Menschen mit verschiedensten Hintergründen und Ausbildungen und haben doch eine Gemeinsamkeit:

den Wunsch des seit über 65 Jahren andauernden Konflikts um Palästina möglichst vielen Menschen auf eine persönliche Art und Weise näher zu bringen.

Und was kann schon persönlicher sein als der direkte Kontakt zu den betroffenen Menschen in Palästina. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit einem Netzwerk von Reiseveranstaltern, politischen Aktivisten und Unterstützern unterschiedlichster Bereiche in Palästina ausgesprochen interessante und informative Reisepogramme zusammengestellt, die Ihnen als Reiseteilnehmer eine möglichst breite Sicht auf die alltäglichen Probleme der Menschen ermöglichen. Doch Palästina bietet mehr als nur einen der ältesten und ungelösten Konflikte der Moderne: eine äusserst gastfreundliche Gesellschaft, eine Fülle von historischen und heiligen Stätten und nicht zuletzt einen kulinarischen Genuss den Sie so schnell nicht vergessen werden.

Die Palestine-X-tours hat ihren Sitz in Kreuzlingen/Schweiz. Als Kernaufgabe verstehen wir die Aufklärung von interessierten Menschen, wobei die Reise natürlich einen wichtigen Aspekt darstellt. Aus diesem Grund haben wir uns ausschliesslich auf Palästina konzentriert und bieten bzw. vermitteln keine anderen Reisen. Sämtliche zusätzliche Leistungen wie Flugbuchungen, Hotels ausserhalb von Palästina (z.Bsp. USA) und/oder ähnliche Leistungen werden durch unseren Partner "Cornels Reisebar" mit Sitz in Kreuzlingen/Schweiz erbracht.